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Im Kopf des Verbrechers

(beides auf Sat1.Gold)

 

Bei RTLcrime lohnt es sich immer in die Programmwochen zu schauen, da vieles mehrmals wiederholt wird.

Auch gibt es viele Crime-Serien auf den Sendern TLC und Sixx.

Moderator: Willkommen bei WebChat Broadcasting System, dem führenden Internet Broadcaster. Danke, daß sie hier sind und wir hoffen, daß ihnen die Sendung Spaß machen wird.
Unser heutiger Gast ist John Douglas, Autor von Mindhunter und Unabomber, On the Trail of America's Most Wanted Serial Killer. Das nächste Buch von John Douglas, Journey of Darkness, wird im Februar 1997 erscheinen. Diese Sendung wird ihnen von WebChat Broadcasting System und SimonSays.com präsentiert. Unser Gastgeber heute abend ist Alan Zegas. Alan ...

Alan Zegas: Vielen Dank. John, Ihre Karriere ist absolut faszinierend gewesen und Sie arbeiteten an einigen der kompliziertesten und verwirrendsten Fällen dieses Jahrhunderts. Sie dienten als Modell des Special Agent Jack Crawford im Schweigen der Lämmer und arbeiteten 25 Jahre mit der Investigative Support Unit beim FBI als Verhaltensprofiler. Ist das richtig?

John Douglas: Das ist richtig.

Alan Zagas: Was ist ein Verhaltensprofiler?

John Douglas: Man muß faktisch die Persönlichkeit des Kriminellen verstehen und um in dieser Lage zu sein, muß man den Fall analysieren, durch Anschauen des Schauplatzes des Verbrechens, Bilder, der Autopsieaufnahmen, des Autopsieprotokolles, alles aus der Sicht der Strafverfolgung oder der Untersuchenden. Die einzige Art und Weise, wie man das machen kann, und das ist sehr, sehr kontrovers, ist die, daß man in die Gefängnisse geht und es aus der Sichtweise der Untersuchung betrachtet, nicht von einer Verhaltens- oder korrektiven oder Rehabilitationsperspektive. Ich habe immer gesagt, daß, wenn man den Künstler verstehen will, man seine Kunst betrachten muß. Bevor du also diese Interviews machst oder Leute hast, die diese Art Arbeit machen wollen, mußt du bewaffnet mit all diesen Informationen in das Interview gehen, weil du erkennen mußt, daß die Person, der du am Tisch gegenüber sitzen wirst, ihre Verwicklung in das Verbrechen vermindern wird, nie Verantwortung übernehmen wird, immer die Schuld von sich weisen wird, deshalb mache ich das. Und wir versuchten, ein Täterprofil aus den Informationen zu erstellen, die uns geliefert werden.

Alan Zagas: Ihre Arbeit, das schreiben Sie in Ihren Büchern, kann auf fiktive Quellen von Edgar Allan Poe, einem Charakter, zurückverfolgt werden, der den Mord in der Rue Morgue sah, wie auch Arthur Conan Doyle's Sherlock Holmes. Beide Hauptfiguren dieser Bücher waren doch Profiler, oder?

John Douglas: Das ist wahr.

Alan Zegas: Ironischerweise war der Mädchenname Ihrer Mutter Holmes.

John Douglas: Das ist richtig. Der Mädchenname meiner Mutter war Holmes, vielleicht liegt mir daher was im Blut. Aber ich habe mich schon immer für die Persönlichkeit der Kriminellen interessiert, und wenn ich als FBI Agent eine Festnahme durchführte, selbst wenn es ein Bankräuber war, wollte ich immer Hintergrund und die Motive wissen, warum sie diese Bank wählten oder wenn sie auf der Flucht waren und man Jahre brauchte, um sie zu schnappen, interessierte mich, wie sie uns entkommen konnten, wie sie viele Jahre vor uns fliehen konnten. Und die Leute, die ich interviewte, die bösen Jungs - grundsätzlich mochten sie mich und ich mußte nur ein wenig schauspielern, damit sie mir vertrauten. Aber wenn sie sich mir gegenüber öffneten, schaute ich nach gemeinsamen Nennern und Mustern in ihren Verbrechen, in ihrem Verhalten, da ich glaube, daß wenn ich diese gemeinsamen Nenner einmal gesehen habe, ich in der Lage bin, sie in laufenden Fällen in diesem Land und im Ausland anzuwenden.

Alan Zegas: Ist das eine Fähigkeit, die man aus Instinkt heraus entwickelt?

John Douglas: ... Ein Argument ist immer, daß es mehr Kunst als Wissenschaft ist und das es intuitiv ist. Es ist Wissenschaft dabei. Wir nehmen die Forschungen aus den Fällen und man könnte es mit einem Internisten in der Medizin vergleichen, jemanden, der eine Krankheit diagnostizieren muß und da gibt es gute Internisten und es gibt nicht so gute. Ich schrieb in meinem Buch, daß ich 1983 bei dem Green River Fall fast wegen einer Virusgehirnentzündung gestorben bin und bei mir wurde falsch diagnostiziert und bevor ich mich zurückzog, hatte ich Probleme mit Blutgerinnseln und es wurde wieder falsch diagnostiziert und sie dachten, ich hätte eine Allergie, obwohl ich Blutgerinnsel in meinem Körper hatte, in meinen Lungen und meinem Bein, noch als Folge meiner wirklich schweren Krankheit aus dem Jahre 1983. Und der Arzt, der mich behandelte, war sehr aufgeregt wegen seiner falschen Diagnose. ... Ich habe die Erfahrung auf dem Profiling Gebiet. Ich habe Hunderte Täter interviewt, ich habe an Tausenden von Fällen gearbeitet und ich bin sehr gut darin, was ich tue. Es gibt andere in meinem Bereich, die behaupten, Profiler zu sein, sie sind gut, aber sie sind nicht großartig.

Alan Zegas: Als Sie Gehirnentzündung hatten, so schrieben sie in Ihrem Buch, ..., hatten sie 40 C Fieber und waren dem Tod so nah, wie man ihm nur sein kann, und sie meinten, daß Ihre Symptome von Streß verstärkt wurden, unter welchem Sie standen.

John Douglas: Ja. 1980 bis 1982 hatte ich schrecklichen Streß und ich arbeitete an 150 Fällen gleichzeitig. Ich arbeitete in England an dem Yorkshire Ripper Fall, ich arbeitete in Alaska an dem Fall Robert Hansen, der Frauen entführte. Es waren Prostituierte und er flog sie mit seinem Flugzeug in die Wildnis, ließ sie dann wie ein wildes Tier frei und jagte sie mit seinem Gewehr. Und dann der große Fall von Wayne Williams in Atlanta Georgia. Wir hatten über 28 Kinder und junge Erwachsene, die ermordet worden waren und ich hatte in diesen Tagen wirklich keine Unterstützung. Das FBI schaute das, was ich machte, an, als wäre es eine Art Hexerei. Und für einen Artikel im People Magazin wurde ich dann noch interviewt und sagte, bevor der Täter identifiziert worden war, daß er ein männlicher Schwarzer sein würde, Mitte 20, daß er ein Polizeinarr wäre und so weiter und so fort. Und später, als sich das als richtig herausstellte, ich meine, das war sehr, sehr gut, aber ich wurde sehr kritisiert, so ... ich brach dann richtig zusammen. Ich arbeitete zu viel. Ich hatte keine Balance mehr in meinem Leben. Die Familie war zweitrangig. Ich arbeitete die ganze Nacht an den Fällen. Vermutlich trank ich zu viel Wein und machte einfach zu viel, statt vor dem Streß wegzurennen und so zerbrach ich. Ich brach zusammen und als Resultat starb ich fast daran. Ich war erst 38, als ich kollabierte und für eine Woche in ein Koma fiel und sie sagten, wenn ich da noch einmal herauskommen sollte, ist er wohl ein Nervenbündel. Ich kam wieder heraus und brauchte 5 Monate Rehabilitation. Aber diese Arbeit, die ich mache, ist sehr, sehr schwierig. Und die Leute, die diese Arbeit jetzt beim FBI verrichten, die Menschen, die ich unterrichtet habe, sie nutzt dich richtig ab. Und an einem bestimmten Punkt haben wir alle einen Knackpunkt. Und ich hatte meinen 1983.

Alan Zegas: Im Spätfrühling 1980 waren sie der einzige Vollzeitprofiler des FBI, richtig?

John Douglas: Genau. Und wieder mußte ich sehr vorsichtig bei den Fällen sein, die ich auswählte, weil ich - ich mußte gewinnen. Ich mußte ein Sieger sein. Hätte ich versagt oder einen Fall vermasselt, hätten sie das Programm beendet, weil durch J. Edgar Hoover, dem ehemaligen Direktor des FBI, der 1972 starb, es immer noch viele Hooveriten überall in der Organisation gab, die sich nur auf die Fakten verließen. Man hatte also einen Kerl wie mich, der hereinkam und meinte, daß es da noch eine andere Möglichkeit gäbe, sich die Sache anzuschauen und zwar von der Verhaltensseite und nicht gleich zum Interview rasen. Und wenn man alle Quellen ausgelotet hatte, hatte man einen Versuch. Vielleicht war ich in der Lage, ein Profil vorzuweisen und wenn nicht, vielleicht eine produktive Technik zu entwickeln. Ich meine damit eine Technik, um den Täter hervorzulocken, ob es nun ein Bombenleger, Mörder oder Vergewaltigter ist. Aber man brauchte ... Überzeugungskraft. Und tatsächlich ...

Alan Zegas: Sie überzeugten das FBI von der Notwendigkeit einer Person mit Ihren Talenten, weil sie 1980 von Agent Barrett wegen des sogenannten Unabomber Falles angerufen wurden.

John Douglas: Genau. Tom Barrett, wir waren beide Agenten, und er rief mich eines Tages an und sagte: "John, du hast die kriminelle Persönlichkeit genau untersucht, du hast Attentäter interviewt, du hast dich mit Mördern und Vergewaltigern unterhalten. Kannst du mir bei einem Bombenfall helfen?" Und was hast du so, Tom? Er meinte, wir hätten hier in Chicago jemanden, der vier Bomben explodieren ließ; er plazierte sie in den Universitäten und eine in einem Flugzeug. Als der Geschäftsführer der United Airlines das Gepäck aufmachen wollte, explodierte sie.

Alan Zegas: Percy Wood?

John Douglas: Genau. Sie riß ihm die Hand ab. ...Und kann man etwas machen? Und so sagte ich, daß ich es versuchen würde. Ich meinte, daß das Analysieren einer Bombe schwer wäre, so daß ich mit den Bombenexperten sprechen mußte, um was für eine Art Bombe es sich handelte und ausgetüftelt sie war oder nicht und darauf sollten dann meine Vorschläge basieren. Das Problem an der Sache war, daß es kein augenscheinliches Motiv gab. Wir konnten uns nicht vorstellen, was der Bomber wirklich wollte. Er legt die Bomben in Flugzeugen, er legt sie in Universitäten und wenn man einen solchen Fall hat, muß man proaktive Techniken entwickeln. Davon dachte ich, daß sie ihn hervortreiben würden. Wenn jemand eines Morgens aufwacht und sagt, ich werde jetzt ein Brandstifter, braucht man nur wissen, wie man ein Streichholz anzündet. Aber aufzuwachen und zu sagen, ich werde jetzt ein Bombenleger, daß geht nicht so einfach. Man braucht eine Straßenkarte, man muß sich einarbeiten und ausprobieren und experimentieren, um Bomben zu basteln, und dann mußt du sie in deiner Nachbarschaft ausprobieren. Und daher würden Leute sein Benehmen bemerken. Also schlug ich vor, Informationen über dieses preoffensive Verhalten in der Hoffnung zu veröffentlichen, daß jemand dieses Verhalten identifizieren würde, Familienmitglieder oder Bekannte, Nachbarn, Freunde und - es war 1980 und war ich in dieser Zeit tat, hatte etwas mit Hexerei zu tun. Es ist wie ein Country and Western Song, und ich war dieser Song, als diese Musik nicht cool war. Nun, ich machte dieses Profiling und es war mit Sicherheit nicht cool und ich wurde grundsätzlich ignoriert. nicht cool war. Nun, ich machte dieses Profiling und es war mit Sicherheit nicht cool und ich wurde grundsätzlich ignoriert.

Alan Zegas: Sie bemerkten in ihrem Buch, daß das moderne Verhaltensprofiling in Wirklichkeit mit der Jagd auf den Serienbomber in New York begann.

John Douglas: Das ist richtig. George Metesky, der verrückte Bombenleger in New York City in den 50'er Jahren, hatte sehr viel mit dem Unabomber gemein. Er schrieb seine Initialen in die Bombe, was seine Handschrift war und wenn man sich diesen Fall betrachtet und er heute passieren würde, wäre es ein sehr einfacher Fall. Das Problem bei jedem Fall ist, egal ob man an einer Serie von Kinderentführungen, einer Reihe von Vergewaltigungen oder Morden arbeitet, daß man schnell in dem Fall vorankommen muß, bevor der Täter einen sehr effektiven Modus Operandi zu entwickeln beginnt. Wenn er erst einen Modus Operandi entwickelt hat, also erlerntes Verhalten, wird es für die Strafverfolgung sehr schwer.

Alan Zegas: Sie sagten, daß die ersten vier Bomben des Unabombers sehr ähnlich waren.

John Douglas: Genau. Die Art und Weise, wie sie gebaut waren. Es gab Gemeinsamkeiten. Man konnte aus der Art und Weise, wie die Bombe gebaut wurde, sagen, wie die dafür verantwortliche Person war - daß er eine Geschichte hatte - eine gute Ausbildung, Kenntnisse in Mathematik, Chemie, Physik. Daher hatte er wahrscheinlich Verbindungen zu der Universität, eine besessene, zwanghafte Persönlichkeit. Ich meine damit, daß er extrem unnachgiebig sein muß. Alles muß an seinem Platz sein. Er verbrachte Hunderte und Hunderte von Stunden damit, diese Dinger zu bauen. So konnte man sehen, daß sein Arbeitsbereich sehr, sehr organisiert sein muß, sehr, sehr sauber, sehr, sehr ordentlich. Wenn es nicht so wäre, würden diese Bomben ihm das Gesicht wegblasen.

Alan Zegas: Sie sagten, daß die Hände geschickt waren und im Umgang mit Holz und Natur erfahren waren.

John Douglas: Ja. Das war ein anderer Bereich. Zurück zu diesem frühen Stadium, wir waren uns nicht sicher wegen des Motivs - Jahre später bekamen wir dann Briefe und er kam mit diesen Anti-Technologie Aussagen heraus und wir hatten etwas, in was wir uns verbeißen konnten. Aber ich bin der Meinung, wenn der Täter sagt, daß etwas seine Motivation wäre, braucht sie das nicht unbedingt sein. Als wir schließlich das Manifest bekamen, begannen wir es zu analysieren und es war eine Menge Anti-Technologie drin. Aber wenn ich Leute darin unterrichte, sage ich ihnen, daß sie das Manifest oder irgendein Dokument ein paar Zentimeter vor ihre Nase halten sollen. Oh nein, keine paar Zentimeter. Sie sollen es einen Meter entfernt halten, weil man Dinge entschlüsseln will und zu sehr an der Analyse tüftelt, obwohl das Ziel des Unabombers sich in nichts unterschied wie das von Mördern, Serienmördern; es war Dominanz, Manipulation, war Kontrolle. Und es machte ihm wirklich Spaß. Und als die Bombenanschläge in Oklahoma City passierten, wurde er in den Schatten gestellt und das wissen wir deshalb, weil er sechs, sieben Tage eine sehr tödliche Bombe verschickte und damit sagte, daß er wieder zurück ist und dann schrieb er diese Briefe, in denen er die Strafverfolgungsbehörden verspottete, besonders das FBI. Also war er wieder voll in seinem Element. Und ...

Alan Zegas: Tatsächlich explodierte eine seiner Bomben genau 5 Tage vor dem Oklahoma City Attentat.

John Douglas: Genau. Aber war wieder voll dabei, aber er hatte nicht mehr die Publicity wie früher.

Alan Zegas: Aber es gab sehr viel Kontroversen darüber, ob seine Arbeit und seine Briefe und das Manifest veröffentlicht werden sollten.

John Douglas: Genau. Jedesmal, wenn wir in die Hände von Terroristen fallen, sie ein Verbrechen begehen und der Öffentlichkeit oder der ganzen Welt etwas sagen wollen, dann lassen wir sie auch, aber hier hatten wir es mit dem Unabomber zu tun und es war vor 18 Jahren und wir hatten wirklich nicht viel zu sagen ...und der Grund, weshalb ich es heute machen würde, ist er gleiche wie vor 18 Jahren, denn wir wollten ein preoffensive Verhalten erzeugen. Nun hatten wir ein Kommuniqué. Und jemand war in der Lage, dieses zu erkennen, nicht so sehr wegen dessen Inhalt, sondern eher wegen des Schreibstils. Und genau das passierte, als sein Bruder David das Schreiben erkannte.

Alan Zegas: Wenn du gerade von seinem Bruder David sprichst, Theodore Kaczynski wurde wegen der Verbrechen in Haft genommen. Im Vorwort Ihres Buches schreiben sie, daß er in unserem Rechtssystem vermutlich unschuldig ist und er sich auf diese Vermutung berufen hat.

John Douglas: Ja.

Alan Zegas: Wenn wir uns also über ihn unterhalten, wissen wir, daß es noch einen gerade laufenden Prozeß gibt, in welchem seine Schuld noch nicht festgestellt wurde.

John Douglas: Ja.

Alan Zegas: Aber er ist die Person, die vom FBI für diese Verbrechensreihe festgenommen wurde. Haben diese Verbrechen Ihrer Meinung nach alle etwas mit einer Person zu tun?

John Douglas: Ja. Weil es ziemlich einfach war - bei jedem Serientäter, ob nun Vergewaltigter oder Mörder, schaut man normalerweise auf die Handschrift. Und die Handschrift könnte in einem Vergewaltigungsfall zum Beispiel etwas mit dem verbalen, sexuellen und körperlichen Angriff zu tun haben. In einem Mordfall schaut man nach etwas, was der Täter dem Opfer angetan hat, was normalerweise unnötig bei der Durchführung des Verbrechens ist, was auch immer das für ein Verbrechen sein mag. So habe ich vor Gericht ausgesagt, daß, wer auch immer diese Reihe von Verbrechen begangen hat, er sie tat, weil Folter seine Handschrift war oder weil das Ausstellen der Opfer, nachdem er sie tötete, die Handschrift war. Bei dem Unabomber war es die Art und Weise, wie er die Bomben zusammenbaute, dazu kam noch, daß er mit seinen Initialen FC unterschrieb, was die Sache einfacher machte.

Alan Zegas: Wofür stand das?

John Douglas: Keine Ahnung. Eine Zeitlang war es Freedom Club. Er sagte Freedom Club. Als wir das zum ersten Mal bekamen, wollte jeder gleich herausfinden, was es bedeutet. ... Aber wen kümmert, was es bedeutet, denn wen du ihn eines Tages interviewst, weiß er vielleicht selber nicht mehr, wofür es stand. Ich erinnere mich daran, als ich David Berkowitz interviewte, den Son of Sam Killer aus New York, im Attica Gefängnis. Und als der seine Briefe an Detective Joe Borelli schrieb im New York Police Department schrieb, unterzeichnete er unter Son of Sam noch mit einem Logo. Und die Psychologen, Psychiater schauten es sich an und sagten, aha, das schaut aus wie die Brust einer Frau, er kehrt zurück, er kehrt in seinem Verhalten zurück. Als ich das Interview durchführte, sagte ich, David, was war das? Was bedeutete das, dieses Logo unter deinem Namen? Und er meinte, hey, John, es schaute toll aus. Was denkst du, wie es aussah? Es schaute gut aus. Es mochte es, wie es aussah. So lernte ich durch diese Fragen, hey, vergeßt es, herausfinden zu wollen, was es bedeutet. Ich meine, diese Typen geben uns keine Hinweise über sich. Ich meine, sie sind schlau genug. Sie können gut von schlecht unterscheiden. Sie sind praktisch. Ich wußte als er sein Manifest schickte, daß es Ruin war, denn jetzt hatten wir etwas, was wir analysieren konnten, jemand würde das erkennen ...

Alan Zegas: Und das Schreiben einer Person kann auch dessen Handschrift sein.

John Douglas: Das ist richtig. Und hier hatte er gewisse Phrasen, die er benutze und einen bestimmten Schreibstil und deshalb hat sei Bruder es erkannt - aber wir wissen wieder nicht, ob es nun von ihm war. Aber es schaut gut aus. Er wurde deshalb noch nicht angeklagt. Aber es schaut gut aus.

Alan Zegas: Was war das, was vom FBI in der Hütte gefunden wurde, was sie davon überzeugt, daß diese Person derjenige ist, nachdem Sie suchen?

John Douglas: Nun, ich bin nicht mehr beim FBI - sicherlich waren Kopien des Manifestes da, was sehr typisch ist. Diese Leute behalten, wenn sie Kommuniqués verschicken, normalerweise das Original. Das ist eine Angewohnheit. Sie führen Tagebücher, haben Bücher mit Schnipseln. Sie machen Geschichte. Also schicken sie dir nicht die einzige Ausgabe ihrer lebenslangen Arbeit. Das werden sie finden und sicherlich fanden sie auch die Schreibmaschine, plus die Bombe. Ich war der Meinung, daß, obwohl wir sein Manifest veröffentlicht hatten und er versicherte, keine Bomben mehr zu schicken, es keine Garantie war, daß jemand wie er das in der Zukunft als Entschuldigung nehmen würde, um eine weitere Bombe zu schicken. Diese Leute brennen einfach nicht aus.

Alan Zegas: Bestand Ihrer Meinung nach Gefahr, obwohl das Manifest veröffentlicht wurde, daß eine weitere Bombe geschickt würde?

John Douglas: Ja. Weil ich hörte, daß sie in der Hütte eine Bombe fanden, die gerade zusammengebaut wurde, wie auch Bomben, die bereits fertig waren. Sie werden einen Vergleich schließen, ich bin mir sicher, daß sie schon einen Vergleich geschlossen haben, die Bomben, die in seiner Werkstatt gefunden wurden, die Werkzeuge, die er benutzte, weil man diese und Bestandteile der Bomben vergleichen kann und sie werden jemanden holen, der vor Gericht aussagen wird - einer der Experten wird aussagen, daß derjenige, der diese Bombenserie gemacht hat, sie alle hergestellt hat. Und ich bin mir sicher, daß Sie so etwa sehen werden.

Alan Zegas: Dieser Fall wird als Kapitalverbrechen geahndet, ist das richtig?

John Douglas: Genau.

Alan Zegas: Wie einfach ist es, diesen Fall durchzuziehen, wenn der Angeklagte einen IQ zwischen 160 und 170 hat, er in der Grundschule und High School Klassen übersprang, in drei Jahren in Harvard promoviert hat, einen Magister hat, Dr.phil ist. Er war ein phantastischer Assistenzprofessor in Berkley. Er hatte einen hervorragenden akademischen Hintergrund. Ist es da nicht sehr einfach in dem Prozeß für die Kläger zu zeigen, daß das, was er tat, wohlüberlegt und nicht die Tat eines Verrückten war?

John Douglas: Die Leute sollten sich einmal das Interview in den heutigen Zeitungen anschauen, mit David Kaczynski und seiner Mutter, und ich bin mir sicher, daß das von Ted Kaczynski's Anwälten auch vorgeschlagen wird. Und wenn dieses Interview auch noch ausgestrahlt wird, muß man sich nur die Art der Fragen und die Art der Antworten von Bruder und Mutter anhören, um sich auszumalen, wie die Verteidigung vorgehen wird. mit solchen Sachen anfängt wie, Ted war ein sehr, sehr fröhliches Baby, bis er krank wurde, er hatte eine allergische Reaktion auf eine Medizin und als ich ihn dann ins
Krankenhaus brachte - was stimmt, denn er war im Krankenhaus und danach - ich glaube, er war ein paar Monate im Krankenhaus, kam er wieder heraus und die Leute würden aussagen, daß sich seine Persönlichkeit verändert hatte. Er wurde so ein stilles Baby, zeigte keine Emotionen.

Alan Zegas: Er war sechs Monate zu dieser Zeit?

John Douglas: Ja. Genau. Und so können sie einen biologischen Typus zur Verteidigung nehmen.

Alan Zegas: Sie deuten in Ihrem Buch auch an, daß es bei den meisten Serienkiller eine Art Auslöser für die erste Straftat gibt.

John Douglas: Das ist richtig.

Alan Zegas: Haben sie eine Theorie, was es in diesem Fall gewesen sein könnte?

John Douglas: Ja. Ich denke, das ist genau richtig. Man schaut, egal um was für eine Tat es sich handelt, immer nach einer Art Faktor oder Ereignis. Hatte die Person vielleicht Probleme in der Partnerschaft, hatten sie etwas mit der Arbeit zu tun, finanzielle Schwierigkeiten - all diese Dinge bilden eine Art Gerüst. Und wir hatten es nicht mit einem Kind zu tun, denn basierend auf den Analysen konnten wir davon ausgehen, daß er Mitte, Ende 20 war - dieser Einzelgänger, dieser asoziale, unzureichende Niemand mit niedriger Selbstachtung. So war der Stand der Dinge. Und wir hatten recht, auch wenn Kaczynski noch nicht verurteilt ist - er wurde von seinem Bruder aus seinem Job gefeuert, er hatte an seiner Arbeit Probleme mit einer Frau. Aber man sieht Menschen, die diese Probleme jeden Tag haben und sie werden keine Bombenleger oder Mörder oder Vergewaltiger, aber manche werden zu Mördern, Vergewaltigern, wenn in ihrem Leben ein bestimmtes Maß an Streßfaktoren auftritt.

Alan Zegas: Gibt es ein bestimmtes Charaktermerkmal, welches alle Serienkiller haben, die Sie studiert haben?

John Douglas: Sie haben alle eine geringe Selbstachtung, sind extrem inadäquat, auch wenn sie wie zum Beispiel Ted Bundy sehr, sehr überzeugt auftreten können, sehr narzißtisch, das ist grundsätzlich eine Maske, die sie tragen, weil sie sich tief in sich wie ein Niemand fühlen, wie Verlierer. Fast ausnahmslos sind sie mißbraucht oder schlecht behandelt worden. Wenn Sie sich Kaczynski anschauen, der ein sehr ungewöhnlicher Serienkiller ist, da er Bombenleger war - er sagte, daß, als er ein Kind war, er gezwungen wurde, Mathe und Wissenschaften zu lernen, was sehr ungewöhnlich ist, denn sie sollte normalerweise Ball spielen. ... Ich denke, seine Eltern haben ihn sehr kontrolliert und natürlich mochte er das nicht. Und als sein Vater Selbstmord beging, er hatte Krebs, ging der junge Ted nicht einmal auf dessen Beerdigung. Und oftmals sieht man auch eine Art körperliche Behinderung oder Leiden. In Mindhunter konnten Sie lesen, daß mehrere Sprachfehler hatten, verschiedene körperliche Behinderungen oder Fehlfunktionen. Seine "Behinderung" konnte auch sein IQ von 160 oder 170 sein, der ihn von allen anderen trennte, ihn seltsam machte.

Alan Zegas: Tatsächlich haben sie bei dem Trail Side Killer Fall vorhergesagt, daß der Täter stottert.

John Douglas: Genau. Da war ich etwa 30 Jahre alt und ich ging zu einer Task Force mit einem Haufen grauhaariger Cops, die aus ihrem Ruhestand gerufen wurden, und ich stellte mich vor sie und was daran sehr seltsam war, ist, daß, wenn ich über die Täter sprach, es das oftmals in der ersten Person tat, als wäre ich der Killer und die Leute schauten mich an, als wäre ich verrückt. Wie dem auch sei, ich begann den Fall zu analysieren und sagte, daß ich mir ein paar ähnliche Fälle anschauen müsse und ich fand heraus, daß sie alle irgendeine Art körperlichen Gebrechens oder Unvermögen hatten und ich ging davon aus, daß bei diesem Typ Fall wir eine ähnliche Situation sehen werden. Was meinst du damit, wollten sie wissen? Körperliches Handicap, es könnte ein Sprachfehler oder etwas in dieser Richtung sein, was er hat - was ihn zu einer sehr, sehr geringen Selbstachtung führt und wodurch er sehr, sehr gehemmt ist. Und als sie den Täter verhafteten, hatte er einen ungeheuren, sehr schlimmen Sprachfehler. Und sie meinten, Douglas, wie zur Hölle konntest du das wissen? War es die Art und Weise, wie er seine Opfer erstochen hat? Und ich sagte nein. Ich schaue mir nur das Verbrechen an, hier war er in einem Park, sehr isoliert. Er hätte dort Stunden mit seinen Opfern verbringen können, aber er griff sie blitzartig an, schlug sie bewußtlos oder brachte sie schnell um und dann verging er sich körperlich und sexuell nach ihrem Tod oder während sie starben. Ich sagte, daß er das nicht hätte machen brauchen. Er hätte Dinge mit ihnen anstellen können, wenn sie noch am Leben waren. Das tat er aber nicht.

Alan Zegas: Warum wenden wir uns nicht den Fragen unseres Publikums zu?

John Douglas: Sicher.

Moderator: Wie war es mit Jodie Foster zu arbeiten? Haben ihre Schwierigkeiten mit John Hinckley ihr geholfen, sich auf ihre Rolle im "Schweigen der Lämmer" vorzubereiten?

John Douglas: Das ist eine gute Frage. Jodie Foster wird bis heute keine Fragen den Hinckley Fall betreffend stellen oder beantworten. In Wirklichkeit ist sie immer noch bestürzt und befürchtete, verfolgt zu werden. Bei unserer Zusammenarbeit überraschte sie mich. Sie ist sehr, sehr schlau, extrem intelligent, sehr motiviert, steigert sich sehr in die Rolle rein. Und sie war sehr leidenschaftlich. Seitdem sind wir Freunde und haben ihn geholfen, denn es gibt immer noch Leute, die ihr Drohbriefe schreiben. Aber sie ist wirklich eine außergewöhnliche Persönlichkeit.

Moderator: Wie war die Arbeit mit Scott Glenn und Anthony Hopkins?

John Douglas: Anthony Hopkins brauchte nicht auf die FBI Akademy kommen. Als ich an den Drehort kam, um Scott Glenn und Jodie Foster zu helfen, war er nicht dabei. Ich kann nur sagen, daß ich Scott Glenn unterrichtete, daß wir nicht einfach locker so unsere Arbeit hier beim FBI machen, daß es kein Spaß oder Spiel war, daß wir unsere Arbeit ernst nehmen. Und viele von uns sind durch die Arbeit bei dem Versuch ernsthaft krank geworden, die Kriminellen zu identifizieren, die diese schrecklichen Verbrechen begangen hatten. Mr. Glenn, so wollte ich es, sollte sich ein paar Bänder anhören. Ich wollte, daß er sich Bilder vom Verbrechensschauplatz und Autopsiebilder anschaut, um so die Art Arbeit vollständig zu verstehen, die wir machen. Das tat ich also und spielte ihm eines Tages das Band von zwei Serienkillern (Anmerkung: Bittacker und Norris) vor, die in Kalifornien als Vergewaltiger einsaßen; dann wurden sie kuriert oder wenn wir es sarkastisch sagen würde, kuriert und entlassen. Und nachdem sie entlassen wurden, war ihr erstes Ziel, jeden Jahr einen Teenager zwischen 13 und 19 Jahren zu vergewaltigen und umzubringen. Und sie kamen bis Opfer fünf. Außerdem nahmen sie die Foltereien und Morde auf Kassette auf. Und diese Bänder - ich hatte also diese Bänder. Sie waren während der Verhandlung abgespielt worden, wo die Eltern die Kinder zu identifizieren hatten, die ermordet wurden. Und so ließ ich ihn das anhören und nach einer Minute brach er zusammen und weinte. Und jeder, der seine Filme gesehen hat, weiß, daß er hartnäckiger Typ ist. Spielt immer diese harten Rollen. Er sagte, John, ich wußte nicht, daß es solche Menschen auf der Welt gibt. Er sagte, daß er gegen die Todesstrafe sei, aber sich freiwillig melden würde, bei diesen Kerlen den Schalter umzulegen.

Moderator: Könnte sie erzählen, wie sie vorgehen, wenn sie das erste Mal mit einem Fall konfrontiert werden?

John Douglas: Als erstes schaut man bei jedem Fall auf die Opfer. Nehmen wir zum Beispiel den Fall O.J.Simpson. Das ist der Schlüssel. Du mußt dich selber fragen, warum war dieses Opfer das Opfer in diesem Gewaltverbrechen? Das ist die erste Frage. Oder wenn es mehrere sind, warum wurden die Opfer die Opfer dieses besonders brutalen Verbrechens. Warum wurden sie auf diese Art und Weise umgebracht? Diese Fragen stellt man sich zuerst, dann analysiert man die Bilder vom Tatort um zu sehen, wie sie umgebracht wurden, um zu sehen, ob sie vielleicht gefoltert wurden, um zu sehen, ob es sich vielleicht um ein persönliches Verbrechen handelt. Ich meine damit, wenn jemand seine Hände benutzt hat, ein Messer oder einen stumpfen Gegenstand, was eine sehr persönliche Art von Verbrechen wäre. Ein unpersönliches Verbrechen würde mit einer Pistole begangen werden. So machst du also deine Arbeit und schaust dir dann die Berichte der Mediziner an und könntest dich auch mit einem Mediziner unterhalten. Das ist wichtig, weil man die Todesursache herausbekommen möchte, die Art und Weise und das ist grundlegend. Und jeder forensische Beweis. Du kannst keinen gerichtsmedizinischen Beweis ignorieren. Auch wenn man dabei vorsichtig sein muß, weil ich zum Beispiel mal einen Fall hatte, wo man ein negroiden Haar am Opfer fand, einem weißen Opfer. Und als die Polizei mir das brachte, sagte ich, ich wüßte nicht, wie dieses Haar herkommt, aber euer Killer ist weiß. Er ist kein Schwarzer. Und später gaben sie dann zu, John, dieses Haar stammt vermutlich aus dem Leichensack. Wir haben den Sack für verschiedene Opfer benutzt, was ein Fehler ist, aber wir haben es getan. Das sind also die Bereiche, die man sich anschauen muß. Aber dann ist man vielleicht immer noch in der Lage, ein Profil zu erstellen. Wenn dem so ist, versuchst du, wie ich schon vorhin sagte, einige proaktive Techniken zu entwickeln, um an den unbekannten Täter näher dranzukommen.

Alan Zegas: John, gibt es so etwas wie ein perfektes Verbrechen?

John Douglas: Man sieht das schon. Und oftmals sieht man die Versuche eines perfektes Verbrechens bei einem Mord im eigenen Haus. Aber in der Regel funktioniert es nicht. Weil sie einige Fehler machen. Ich hatte zum Beispiel Fälle, in welchen der Ehemann seine Frau umbrachte und es wie einen Sexualmord ausschauen lassen wollte, indem er die Unterhose oder den BH runter- zog oder Schubladen aus dem Schrank zerrte, so daß es wie ein Einbruch aussah. Aber dann sehe ich die Todesursache und ich sehe, daß das Opfer einen dumpfen Schlag abbekommen hat, Wunden im Gesicht hat, mit der Hand stranguliert wurde, diese Art persönlichen Verbrechens. Dann kann man der Polizei sagen, hey, ihr braucht wegen des Killers nicht so in der Ferne Ausschau halten. Das war kein Fremder. Das war jemand, der dem Opfer sehr nahe stand. So kann man ihn dann schnappen.

Alan Zegas: Was, wenn die Opfer wahllos ausgewählt werden?

John Douglas: Wenn die Opfer wahllos ausgesucht werden, was meistens der Fall ist - das macht es heutzutage so schwer. Wir haben eine Aufdeckungsrate für Morde in diesem Land. Man hört diese tollen Statistiken, aber dabei liegt diese bei nur 65 bis 67% bei Mordfällen. Es gibt 25 - sagen wir 24.000 Morde in den Vereinigten Staaten. 1960 hatten wir um die 11.000 Morde und eine Aufklärungsrate von 91%. Aber da waren die meisten Verbrechen nicht an Fremden begangen worden. Heute haben wir einen Mord an Fremden nach dem nächsten. Wir haben die Mobilität der Täter, die es ihnen erlaubt, in New York City jemanden zu entführen, dann die Interstate 95 nach Miami, Florida herunterzufahren, womit man zwar nicht durch alle Bundesstaaten fährt, aber Tausende verschiedene Zuständigkeitsbezirke der Strafverfolgungsbehörden durchreist. Und was mich sehr aufregte, als ich FBI Agent war, war mein Versuch, ein Computersystem aufzubauen, mit welchem man Fälle miteinander verbinden konnte, indem man der Polizei die Software und Hardware gibt, damit sie die Möglichkeit haben, die Daten ihrer ungelösten Mordfälle einzugeben, so daß wir diese besonderen Fälle miteinander verbinden können, die für sie in keinem Zusammenhang stehen, bis hin zu einem Serientäter, weil wir wissen, daß zu jeder Zeit zwischen 35 und 50 Serienmörder in den Vereinigten Staaten unterwegs sind. Das ist eine konservative Einschätzung. Aber über Jahre habe ich versucht, ein Computersystem zu bekommen und bekam es nie.

Moderator: Welcher dieser Killer macht Ihnen am meisten Angst?

John Douglas: Es gibt ein paar von ihnen, aber ich führte einmal ein 60 Minuten Interview mit Leslie Stahl, eines ihrer ersten Interviews und bekam so Angst vor ihr, als ich in das Pittsburgh Gefängnis ging, um mich mit Gary Heidnick zu unterhalten. Und Gary Heidnick war eine Person, die wie Buffalo Bill im "Schweigen der Lämmer", Frauen in einer Grube festhielt. Der einzige Unterschied war, daß er die Grube noch mit Wasser gefüllt hatte, wenn die Frauen drin waren. Und dann nahm er ein elektrisches Kabel, welches aus der Wand hing, und versetzte ihnen elektrische Schläge. Einmal tötete er eine der Frauen dadurch, nahm sie dann aus dem Wasser und legte sie in das Tiefkühlfach. Sie war schon tot. Zwei Tage später nahm er sie wieder heraus und drehte sie durch einen Fleischwolf und gab es dann den anderen Frauen zum Essen. In der Zelle waren immer 4 bis 5 Frauen gleichzeitig. Und er hatte einen IQ von 145. Er war auch sehr bizarr in seinem Auftreten - wir sprachen über 6 Stunden. Natürlich benutzten sie nur eine Minute davon. Und sie wollten wissen, wie lange es insgesamt geht. Wir sagten, 5 oder 6 Stunden. Sie meinten, 5 oder 6 Stunden? Ich sagte, ja, ... weil wir wissen wollten, was ihn wirklich dazu trieb. Was auch diesem Interview herauskam, war die Aggression und Feindseligkeit seiner Mutter gegenüber. Bei vielen geht es direkt auf ihre Mutter zurück. Sie lieben ihre Mutter und dann hassen sie die Mutter. Hassen die Mutter, weil sie schlecht behandelt wurden, mißbraucht, weil die Mutter eine Prostituierte war. Daher kommt eine Menge Feindseligkeit.

Alan Zegas: Haben sie selber Angst, wenn Sie ein Interview durchführen?

John Douglas: Nicht wirklich. Einmal interviewte ich jemanden von der Aryan Nation, der für den Alan Berg Fall in Denver, Colorado verantwortlich war. Ein Diskjockey. Ehe sie ihn reinbrachten, kam eine Wache zu rein, er war über 1,80 Meter groß mit einem Gummiknüppel und auf diese Art und Weise interviewe ich nie. Und dann brachten sie ihn schließlich rein und ich konnte sehen, weshalb die Wache da war. In ihm war viel Zorn und Feindseligkeit. Natürlich haßt die Aryan Nation das FBI. Damit mußte ich mich auseinandersetzen. Aber wenn ich diesen Killern erst einmal in die Augen schaue, sehe ich Verlierer. Es sind harte Kerle, wenn sie ein verletzbares Opfer haben. Aber wieder haben sie ein niedriges Selbstwertgefühl. Und was wirklich interessant ist, viele von ihnen weinen, wenn sie an dem Tisch mir gegenüber sitzen. Und sie weinen Krokodilstränen. Und wenn Psychiater diese Interviews durchführen, Psychologen, könnten sie denken, daß sie es geschafft haben. Er zeigt Reue und ist bekümmert wegen seinen Verbrechen. Das ist falsch. Das ist eine falsche Einschätzung. Sie zeigen für sich selber die Tränen, weil sie sich sagen, sie weinen, weil ihr Leben ruiniert ist, daß sie ihr ganzes Leben im Knast bleiben müssen. Hoffentlich bleiben sie lebenslang im Gefängnis, aber wer weiß das heute.

Alan Zegas: Sie haben auch Charles Manson interviewt, oder?

John Douglas: Charles Manson, das ist richtig. Er hat einen IQ von 124. Wuchs in West Virginia auf, die Mutter eine Prostituierte, manipulierend, 1,60 Meter groß. Als wir das Interview durchführten, wußten wir, daß er das machen würde. Er saß auf der Lehne des Stuhles, so daß er auf uns herunterschauen konnte, uns dominieren konnte. Was gut war, denn wir wollten Informationen über ihn herausbekommen. Er war - er ist nicht wegen Mordes im Gefängnis. Er ist wegen Anstiftung zum Mord im Knast. Grundlegend verloren Charles Manson die Kontrolle über seine Gruppe - seine Anhänger. Und er befand sich in einem Durcheinander und schuf diesen Rassenkrieg und - grundsätzlich war er an Sex, Drogen und Rock and Roll interessiert. Und in der ersten Nacht zog seine Gruppe los, ging in Sharon Tate's Haus und das Ende kennen sie natürlich. In diesem Anwesen töteten sie eine Reihe Menschen. Aber in der zweiten Nacht ging er mit in das La Bianca Haus, verschwand aber vor den Morden. Er ist ein sehr geselliger Mensch -

Alan Zegas: Ist er stolz, wenn er über sein Verbrechen redet?

John Douglas: Sehr. Und es tut ihm nicht leid. Ich meine, sie nutzen alle Verteidigungsmechanismen, sie rechtfertigen um die Verantwortung zu schützen. Verantwortung akzeptieren sie nie. Ich denke nicht, wenn man ihn heute entlassen würde, daß er wieder losziehen und töten würde. Das wäre nicht sein Modus Operandi. Aber er würde wieder eine Menge Anhänger besitzen. Er bekommt heute noch viel Fanpost von den Kindern im ganzen Land, die sich ihm hingezogen fühlen, so daß er dieses Szenario heute wieder aufziehen könnte, wenn er freigelassen würde.

Moderator: Wurden Sie schon einmal von der Sichtweise der Realität eines dieser Killers überwältigt?

John Douglas: Ich weiß nicht genau, was Sie damit meinen. Sie können sehr gut richtig von falsch unterscheiden. Du oder ich kümmert sie kein bißchen. Es gibt viel Zorn und Haß und deshalb töten sie, das ist real, bei einem Mord gibt es keine Verbindung zwischen sich selber und dem Opfer. Es gibt kein Bedauern, überhaupt keine Gefühle. Aber mit Sicherheit können sie zwischen gut und schlecht unterscheiden. Steht in der einen Ecke ein Police Officer und in der anderen ein Opfer, läßt er das Opfer gehen, weil er sonst geschnappt werden könnte. So kommen sie, nachdem sie verhaftet worden sind, mit schlauen Verteidigungstaktiken daher. Sie kommen mit multiplen Persönlichkeiten daher, dem Post-Vietnam Syndrom. Einiges davon erst, nachdem sie mit ihrem Verteidiger gesprochen haben. Aber wie ich schon sagte, sie wissen, was sie tun. Sie tragen die Maske der Verrücktheit und du oder ich kümmert sie überhaupt nicht.

Alan Zegas: Haben Sie schon einmal jemanden getroffen, bei dem Sie nicht wußten, was er tat, der wirklich psychotisch war und das nicht spielte?

John Douglas: Da gibt es wirklich nicht viele. Es könnte derVampirkiller von Sacramento, Kalifornien gewesen sein, der das Blut seiner Opfer trank. Er war in einer Nervenheilanstalt, fing dort Hasen und kleine Tiere und trank deren Blut und dann ließen sie ihn wieder laufen. Dann entwickelte er sich weiter und tötete letztendlich Kinder, einen Mann und eine Frau und trank deren Blut. Dieser Typ war mit Sicherheit verrückt. Als er das zweite Mal, als er wegen dieser Verbrechen vor Gericht kam, fanden die Geschworenen ihn schuldig und nicht verrückt, weil sie befürchteten, daß, wenn sie ihn für verrückt erklären würden, er wieder in einer Nervenanstalt enden würde, wo sie ihn wieder für geheilt erklären könnten und er würde wieder auf die Straße kommen. So gingen sie auf Nummer sicher, daß er auf Lebenszeit im einem kalifornischen Gefängnis sitzen würde. Und nach drei oder vier Jahren beging er Selbstmord.

Moderator: Es scheint fast so, als wenn alle Täter, mit denen Sie zu tun hatten, einen hohen IQ hatten...

John Douglas: Der hohe IQ, das ist ein Problem, weil der durchschnittliche IQ einer durchschnittlichen Person zwischen 95 und 105 liegt. Serientäter, ob nun Vergewaltiger, Mörder oder Bombenleger, haben einen IQ von 115 und höher. In der Regel 125 und höher. Sie beginnen mit ihren Taten, wenn sie so etwa 25 Jahre alt sind. Und sie haben verschiedene Jobs und sie wissen mehr als der Chef, befinden sich aber in einer untergeordneten Position. Sie durchfahren eine Achterbahn an zwischenmenschlichen Beziehungen und während dieser ganzen Fahrt gibt es diesen Zorn. Und diese Feindseligkeit. Und so begehen sie mit Mitte-Ende 20 ihre ersten Gewaltverbrechen.

Moderator: Befürworten Sie die Todesstrafe?

John Douglas: Ja, besonders bei Serienverbrechen. Es beunruhigt mich, daß es keine Einheitlichkeit in der Strafvollstreckung, wie auch bei den Trainings und Prüfungsbescheinigungen gibt. Man kann ein Police Department haben, welches sehr gut ausgebildet wurde, sehr gut trainiert ist, der Mensch, der sich um die medizinischen Dinge kümmert, kann ein guter Gerichtspathologe sein, aber wenn man in einen anderen Teil des Landes kommt, braucht das nicht mehr so zu sein. Und das macht mir Sorgen.

Alan Zegas: Haben Sie Angst, daß unschuldige Menschen durch das Strafsystem als schuldig verurteilt werden?

John Douglas: Ja, habe ich. Es können Fehler unterlaufen sein, Schlamperei während der Untersuchung. Ich bin ein aufrichtiger Befürworter der Todesstrafe. Wahrscheinlich hat mich beeinflußt, daß ich so viel gesehen habe. Aber ich habe auch viele Police Departments kennengelernt und auch das macht mir Angst. Die einzigen Fälle, wo ich für sie wäre, wären Serienfälle, wo man einen Berg an Beweisen hat, die den Täter mit einer Reihe von Opfern verbinden, ob es nun Opfer von Vergewaltigungen oder Morden sind. Und ich glaube daran. Nicht, daß es die Leute davon abhalten würde, in der Zukunft
Verbrechen zu begehen, aber ich habe viel Zeit mit Opfergruppen und Familien verbracht, und sie schauten nach einer Art Abschluß. Wenn du die Todesstrafe hast, dann benutze sie auch. Wenn du sie nicht benutzt, dann schafft sie ab. Aber dann nur noch lebenslange Haft. Denke nicht, daß du diesen Kerl kurieren kannst, nur weil du auf der Universität von diesen neuen Techniken gehört hast und glaubst, diesen Kerl heilen zu können, weil er jetzt erst 30 Jahre alt ist. Das ist Unsinn. Du kannst sie nicht heilen. Vergiß es also. Sperr sie ein und wirf den Schlüssel fort. Ich bin also auch für lebenslange Gefängnisstrafe. Aber heute bedeutet das zwischen 10 und 15 Jahren. Und in Mind Hunter habe ich einige Fälle beschrieben, wie den eines Typen, der lebenslang wegen Ermordung zweier Kinder bekam, 15 Jahre absaß, wieder herauskam und 12 Frauen umbrachte. Das macht mich wirklich wütend.

Alan Zegas: Welche Fehler haben Sie in Ihrer Karriere gesehen?

John Douglas: Schlampigkeit im Umgang mit Beweisen. Ich meine, hier kann man auch die besseren Police Departments anschauen, wir sahen ein paar Dinge beim LAPD im O.J.Simpson Fall im Umgang mit den Beweismitteln. Wir sahen Probleme mit dem medizinischen Untersuchungen. Ich meine, daß hier ist eine der besten medizinischen Einrichtungen in den Vereinigten Staaten und während des Prozesses mußte der Beamte, der die Autopsie durchgeführt hat, nicht einmal als Zeuge auftreten, sein Chef mußte aussagen, weil er so viele Fehler gemacht hatte und Dinge, die er nicht machen sollte, soll er trotzdem durchgeführt haben. Zuerst denkt man, daß jemand durchkommen könnte - durchkommen mit einem Mord, wegen der ganzen Fehler. In diesem Land haben wir über 17000 Strafverfolgungsagenturen. Geh nach Kanada, dort sind es nicht so viele. Die RCMP hat in den wichtigen Fällen die Verantwortung. In England, Neuseeland und Australien hat man auch Einheitlichkeit. Hier gibt es 17.000 Agenturen, keine Einheit in Ausbildung oder Training, kein Computer wurde eingerichtet, damit wir uns untereinander verständigen können, Informationen austauschen können. In einem so riesigen Land kann man wirklich mit Mord durchkommen, besonders wenn man bei einem Department anfängt, welches nicht die Erfahrungen hat, kein Personal oder Know-how.

Alan Zegas: Das FBI wurde in dem Unabomber Fall kritisiert, weil es vorzeitig Informationen an die Öffentlichkeit brachte. Viele Informationen des Durchsuchungsbefehles wurden veröffentlicht, bevor der Täter festgenommen wurde. ... War das gut für die Strafverfolgung?

John Douglas: Nein. Das passierte, weil ich von CBS angesprochen wurde. Das war ein paar Tage bevor wir von Ted Kaczynski erfuhren. Sie wollten mit mir ein Interview wegen des Unabomber Falles führen, und ich sagte ja, ihr Typen wißt wahrscheinlich mehr darüber als ich, weil ich an anderen Dingen arbeitete. CBS und die anderen Sender wollten in der Woche der Inhaftierung den Namen von Ted Kaczynski veröffentlichen, so daß das FBI nach Montana eilen, verhaften und den Durchsuchungsbefehl veranlassen mußte. Aber das Problem, welches Sie ansprachen, Alan, war, daß es während der ersten oder zweiten Woche viele undichte Stellen gab und zwar entweder im FBI oder dem Justice Department. Und als ich das Unabomber Buch schrieb und es vorveröffentlichte, sagte ich, daß man sich wegen mir keine Sorgen machen sollte. Eher sollte man sich Sorgen darüber machen, was im FBI oder dem Justice Department vor sich geht, weil es so viele durchlässige Stellen gab. Das gleiche gilt auch für den Jewell Fall im Olympischen Dorf. Er paßte in das Profil des Bombenlegers, aber wieder gab es schreckliche durchlässige Stellen. Wo waren diese? Waren sie beim FBI, waren sie bei der Polizei? Ich hoffe, daß nicht das FBI verantwortlich war. Aber das ist wirklich schädlich.

Alan Zegas: Haben sie die Möglichkeit, die Untersuchung bloßzustellen?

John Douglas: Oh, sicher. Vor kurzem machte ich ein Interview mit einem großen Sender und die wollten, daß ich sagte, das FBI würde das absichtlich machen. Und ich meinte, warum sie das wohl absichtlich machen sollten, Informationen heraussickern lassen. Man würde es im geheimen machen und den Kerl nicht wissen lassen, daß man ihn überwacht, da man ja etwas erreichen will, man will dem Typen ja nicht die Chance geben, Beweismittel zu vernichten. Also macht es keinen Sinn. Aber man sieht bei den großen Fällen, wenn man mit verschiedenen Polizeiagenturen und den Medien zusammenarbeitet, daß sie die Strafverfolgung begutachten, die Sender abhören. Es ist wirklich schwer, heutzutage mit einem Fall durchzukommen, ohne genau beobachtet zu werden. Deshalb gibt es in Kanada und England strikte Grenzen für die Medien. Sie können sich nicht einmischen. Sie müssen zurücktreten, bis die Strafverfolgungsbehörde bereit ist, mit ihnen zu sprechen.

Moderator: Wie können Sie das? Wie können Sie mit diesem Horror leben? Was läßt sie weitermachen?

John Douglas: Wie ich schon sagte, 1982 konnte ich es nicht. Ich brach einfach zusammen. Als ich wieder zurückkam, ging ich zu einem Polizeipsychologen und sie meinte: "John, du brennst die Kerze von beiden Enden ab und wenn du nicht dadurch stirbst, stirbst du früh an einem Herzschlag oder ähnlichem." Er sagte, daß ich kein soziales Leben hätte, kein Familienleben, überhaupt kein Ventil ... keine Hobbys. Es gibt nur diesen Job. Und du mußt in deinem Leben einen Ausgleich haben. Ich arbeitete 5 Monate wegen der Rehabilitation nicht. Und ich versuchte eine Balance in mein Leben zu errichten. Und der Lohn für das Helfen der Menschen, dem Helfen der Strafverfolgung, dem Helfen der Opfer ist außergewöhnlich. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich wäre kein robuster Kerl. Weil ich immer noch träume. Ich stand heute morgen um 4.30 Uhr auf, weil ich nicht mehr schlafen konnte. Ich war wegen eines Falles eines kleinen Mädchens in Texas beunruhigt, Amber Haggerman, die letzten Januar ermordet wurde, nachdem sie von ihrer Schule, vom Fahrrad entführt wurde. Man fand sie in einem Kanal. Ihre Kehle wurde aufgeschlitzt, man hat sie sexuell mißbraucht. Dann schickte mir der Vater Faxe und bat um Hilfe. Er war wegen der Polizei frustriert. Und es gibt noch so viel, was ich machen kann. Man muß eine Ausgeglichenheit in seinem Leben haben - und das ist schwierig. Und man muß vorsichtig sein, um nicht wieder in den alten Trott zu verfallen, weil du den Menschen wirklich helfen willst, wegen der Opfer, die Familien sind so niedergeschlagen, weil ihnen ihre Geliebten genommen wurden und sie traurig sind, weil man die Verantwortlichen nicht finden kann.

Moderator: Gibt es Ergebnisse bei der wirklichen "Kurierung" von Serientätern? Ich sehe Ihren Pessimismus in Bezug auf Heilung der Täter ein, aber gibt es irgendwelche Innovationen auf diesem Gebiet? Irgendwelche Versuche?

John Douglas: Kann sein. Und ich möchte auch niemanden heruntermachen. Es gibt sicherlich gewisse Techniken, die verwendet oder empfohlen werden. Aber ich glaube, wenn man über die Persönlichkeit eines gewalttätigen Kriminellen spricht, sind die Würfel gefallen und unglücklicherweise sind die Schullehrer wahrscheinlich einige unserer besten Profiler, die ich je kennengelernt habe. Man beginnt zu erkennen, daß die Würfel in der frühen Kindheit fallen. Aber was willst du tun? Man kann nichts daran machen. Man kann versuchen, das Kind in den sieben Stunden am Tag zu bekehren, in welchen es im Klassenzimmer ist, aber das Kind muß dann immer noch zurück in die nicht funktionierende Familie. Man kann natürlich nicht sagen, daß, wenn man aus einer solchen Familie kommt, man ein Gewaltverbrecher wird, aber Gewaltverbrecher kommen daraus. Solange wir noch diese Verfassung besitzen, in welcher Kinder praktisch wie Eigentum behandelt werden, gibt es besser Gesetze zum Schutz von Haustieren. Ein Beispiel dafür wäre, wenn ein Nachbar von Ihnen schreckliche Dinge mit seinem Hund anstellt, könnte man einen Tierverein anrufen, die dann das Tier holen und in ein Tierheim stecken würden. Wenn du das bei einem anderen Nachbarn versuchst, der ein Kind mißbraucht, kämen sie letztendlich auch und würden das Kind abholen, aber es bleibt immer noch die Meinung im Kopf, es wäre besser bei seinen biologischen Eltern aufgehoben. Solange wir das glauben, wird es immer wieder Gewaltverbrechen geben. Die einzige Lösung ist, und ich erwähne sie auch in dem Buch, daß man wie beim Persischen Krieg Millionen Dollar in Personal stecken sollte, um so diese Kinder in einem sehr jungen Alter abzufangen und ihnen Liebe und Zuneigung geben und wenn sie dann drei, vier Jahre alt sind, kann man ihnen dann auch helfen. Aber wenn wir denken, wir schaffen das, indem wir mehr Polizisten auf die Straße stellen, liegen wir falsch. Und ich bin der erste, der das sagt.

Alan Zegas: Wieviel Profiler hat das FBI heute?

John Douglas: Wir haben eine Einheit; in meiner alten Einheit gab es ein Dutzend Profiler. Sie schaffen höchstens 1000 Fälle im Jahr. Dann wurde eine Einheit für Serienmord an entführten Kindern aufgebaut, kurz bevor ich in den Ruhestand ging, und dort gibt es auch noch mal ein Dutzend Profiler. Aber man bräuchte noch viel mehr. Man könnte die ganze Sache auch computerisieren. Man kann zwar keinen Computer erfinden, der den Agenten ersetzen kann, aber man könnte mit Sicherheit das Analysieren beschleunigen. Man könnte durch den Computer eine vorbereitende Analyse durchführen lassen, die dann von den Profilern bearbeitet wird.

WBS Moderator: Meine Herren, die Zeit ist leider vorbei.

John Douglas: Ging viel zu schnell.

WBS Moderator: Ich habe noch eine Bemerkung, die ich gerne vorlesen würde. Mr. Douglas, ich bin Detective in einem kleinen Department in Illinois und habe Ihre Theorie "everyone has a rock" angewandt. Sie funktionierte bei einer Befragung eines Täters in einem Mordfall. Vielen Dank.

John Douglas: Das ist toll. Das ist außerordentlich. Danke.

Alan Zegas: Vielen Dank, John. Es war faszinierend.

John Douglas: Ich danken Ihnen, Alan. Danke, daß ich hier sein konnte.

WBS Moderator: Es war sehr interessant. Wir hatten viele Zuhörer. Im Namen von WebChat Broadcasting System möchte ich dem ganzen Internet Publikum, Alan Zegas und John Douglas für ihre Anwesenheit danken.

Anmerkung des Autors: John Douglas arbeitete mehr als 25 Jahre für das FBI und ist einer der führenden Experten für Persönlichkeitserforschung und kriminologische Analysen von Serienmördern. Er ist ein international gesuchter Berater.