Daniel Conahan Jr.

"Hog Trail Murder"

geb. 1954

Land: USA

aktiver Zeitraum: 1994 - 1996

Morde: 5 - 11

Conahan Jr., Daniel Owen

Es war im Februar 1994 als zwei Jäger in der Nähe eines Hog Trails (Trampelpfad der Wildschweine) in Charlotte County, Florida menschliche Überreste fanden. Das Opfer war ein weißer Mann, dem die Genitalien entfernt wurden. Er konnte nicht identifiziert werden und die Akte wurde vorläufig geschlossen. 

Im Januar 1996 findet ein Hund eine weitere Leiche im Gebiet von North Port. Auch dieser Mann war weiß und die Genitalien wurden entfernt. Allerdings kann auch er nicht identifiziert werden. Auffallend war, dass keine Kleidungsstücke vorhanden waren und auch keine Vermisstenanzeige vorlag. 

Am 07.03.1996 findet ein Autofahrer ein drittes Opfer am Highway. Es ist wieder ein nackter Mann, dem die Genitalien fehlen. Er wird erst 1999 als William John Melaragno (36) identifiziert. Die Ermittler sind davon überzeugt, dass der Täter von sexueller Perversion gesteuert wird. Am Tatort findet man Einkerbungen eines Strickes an einem Baum, die darauf hinweisen, dass das Opfer an den Baum gefesselt wurde und zwar in Höhe von Genick, Hände, Schienbeine und Knöcheln. Da es nun 2 Leichen in der gleichen Gegend von North Port sind, wird der Fall mit den ersten beiden Opfern nochmals verglichen. Auch hier finden sich nachträglich Einkerbungen von Stricken an einem Baum, was auf den gleichen Täter hin deutet. 

Der zu dem Fall hinzugezogene Profiler weist auf einen sexuell motivierten Sadisten hin, der womöglich Fotos und Videoaufnahmen von seinen Opfern macht. Eine Task Force wird gegründet. 

Etwas später, am 17.04.1996, finden Landvermesser ein viertes Opfer in der gleichen Gegend wie die letzten Opfer. Man findet einen Schädel und einen Torso auf dem noch ein Tattoo zu erkennen ist. Nur ein paar Meter weiter finden die Beamten einen weiteren Leichnam unter einem Teppich, der scheinbar erst vor kurzem hier abgelegt wurde. An ihm finden sich Fesslungsspuren an Hals, Waden und Händen, und die Genitalien wurden entfernt.

 Die Polizei entschließt sich das Tattoo des vierten Opfers zu veröffentlichen. Die Schwester des Toten erkennt das Tattoo: Es ist Kenneth Smith (25) aus Naples, Florida.

 Smith war ein Obdachloser, sein Alltag bestand aus Alkohol und Drogen. Aufgrund von Organuntersuchungen werden die Lebensumstände aller Opfer nochmals rekonstruiert. Alle scheine Obdachlose gewesen zu sein. Der Mörder scheint sich genau diese Personengruppe auszusuchen, da diese nicht so schnell oder überhaupt nicht vermisst werden.

 Der Tote unter dem Teppich kann anhand seiner Fingerabdrücke als der Obdachlose Richard Montgomery (21) aus Punta Gorda identifiziert werden. Dessen Mutter gibt interessante Hinweise: Ihr Sohn hatte erzählt, er könne Geld mit Nacktfotos verdienen. Sein Auftraggeber fährt einen blauen Mercury Capri. 

Im Mai 1996 meldet sich der Inhaftierte David Payton (34), der aus der Presse von den Fällen erfährt, zu dem Fall: Er wurde im März 1995 in Fort Meyers vom vermeintlichen Täter eingeladen etwas zu trinken, Drogen zu nehmen, zu relaxen. Der Täter bat ihm schließlich Geld für Bondage-Nacktfotos für ein Männermagazin an. Payton willigte ein. Auf der Fahrt in den Wald fährt sich aber der Wagen des Täters fest. Der Täter schob und Payton sollte fahren. Payton entdeckt dabei auf dem Rücksitz eine Tasche mit Klebeband, blauer Plane, Messer, Stricken usw. Plötzlich bekam er es mit der Angst zu tun und als das Auto aus dem Graben war, fuhr er mit Vollgas dem Täter davon. Am nächsten Tag wird er in Fort Meyers wegen Autodiebstahls verhaftet. Er kann den Ermittlern auch den Namen des Wagenbesitzers nennen: Daniel Conahan, so stellte sich der Täter bei Payton vor. 

Conahan wurde 1954 in Charlotte, North Carolina geboren. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie nach Punta Gorda, Florida. In seiner Familien waren Alkohol und Drogen keine Seltenheit. Als er im Jugendalter seine Homosexualität entdeckt, wird er von seinen Eltern zu mehreren Psychiatern geschickt. Er verbringt seine Zeit in Gay-Bars. 1977 geht er zu Navy, aus der er entlassen wird wegen sexueller Belästigung. Auch erzählte Conahan einem damaligen Mitbewohner in Chicago, wo er 13 Jahre lang lebte, von seinen sexuellen Fantasien: Er hatte den Traum, einen Anhalter mitzunehmen, diesen zu fesseln, zu vergewaltigen und zu töten. 

1993 geht Conahan zurück nach Florida, um sich um seine alten und pflegebedürftigen Eltern zu kümmern, weswegen er eine Krankenpfleger-Ausbildung machte, welche ihm möglicherweise das Fachwissen zum Entfernen der Genitalien ermöglichte. 

Die Ermittler sind überzeugt: Conahan ist der Serienmörder. Leider haben sie bis dato noch keine stichfesten Beweise gegen Conahan und überwachen sein Haus per Video und beschatten ihn Tag und Nacht. 

Ein Polizeibeamter wird schließlich als Lockvogel eingesetzt und als Obdachloser verkleidet. Nach einigen Wochen nimmt Conahan endlich Kontakt zu dem Beamten auf und bietet ihm eine Job, für Bondage-Fotos zu posieren, an. Der Undercover-Beamte leitet Conahan zu seinem vermeintlichen Camp im Wald, Nahe eines Hog Trails. Das gesamte Lager ist umstellt von Polizisten. Doch Conahan wird plötzlich nervös und verlässt den Ort. Die Aktion ist gescheitert – eine neue Strategie muss her. 

Aufgrund von Überprüfung der Kontoauszüge Conahan’s finden die Ermittler heraus, dass zu den Tatzeiten der Morde entsprechend Stricke, Messer, Klebeband, Planen, Zangen und Kameras gekauft wurden. Diese Tatsache reicht vorerst für eine Hausdurchsuchung und Conahan wird vorläufig festgenommen.

 Die Hausdurchsuchung bringt zwar Stricke und Messer zum Vorschein, jedoch immer noch keine belastenden Beweise. Auch Conahan antwortet im Verhör nur ausweichend, weswegen die Beamten ihn gehen lassen müssen. Jedoch werden Proben vom absplitternden Lack seines Autos genommen.

 Der leitende Ermittler bittet nochmals um die Hilfe aller Polizeistationen und es meldet sich ein Kollege aus Fort Meyers, der im August 1994 einen ähnlichen Fall hatte, allerdings mit einem überlebenden Opfer: Stanley Burden (damals 24). Dieser wurde vom Täter an einen Baum gefesselt und sexuell misshandelt. Als sich ein Auto näherte, ließ der Täter vom Opfer ab, in der Annahme, das Opfer sei bereits tot. Er hinterlässt am Tatort eine Zange. Das Opfer konnte sich mit Hilfe derer befreien, doch damals keine eindeutige Beschreibung des Täters liefern.

Die ermittelnde Polizei besucht Burden im Gefängnis und dieser erkennt Conahan auf einem Foto als seinen damaligen Peiniger.

Zusätzlich werden die Leichen nochmals untersucht und in Montgomery’s Schamhaaren finden die Ermittler Lacksplitter, die 100%ig Conahan’s Fahrzeug zugeordnet werden können. Auch stimmen Fasern von einem Baum mit Handschuhen aus Conahan’s Haus überein. Endlich können sie den Serienmörder mit den Morden in Verbindung bringen.

Conahan wird am 03.07.1996 verhaftete, vorerst wegen versuchten Mordes an Burden.

Straßenarbeiter entdecken im Mai 1997 eine weitere männliche Leiche, die 1998 als William Patten (24), vermisst seit 1993, identifiziert werden kann. Ein Zusammenhang mit den Hog-Trail-Morden kann nicht eindeutig geklärt werden, wird aber stark vermutet.

Am 17.08.1999 erhält Conahan wegen Entführung und Mordes die Todesstrafe. Er beteuert bis heute seine Unschuld und zeigt keine Reue.

Weitere menschliche Überreste in Charlotte County, Florida werden in den Jahren 2000, 2001 und 2002 gefunden. Ob sie auch auf das Konto von Conahan gehen, konnte bis heute nicht geklärt werden. 

Auch werden 2007 nochmals acht Schädel und Skelette in einem Wald bei Fort Myers entdeckt. Zwei der Opfer konnten identifiziert werden und galten seit 1995 als vermisst. Eine mögliche Verbindung zu Conahan ist nicht ausgeschlossen, da Burden ganz in der Nähe der Fundstätte der Knochen damals angegriffen wurde.

Conahan sitzt zurzeit in Raiford, Florida und wartet auf seine Hinrichtung.

Opfer:
William John Melaragno (36)
Kenneth Smith (25)
Richard Montgomery (21)
William Patten (24)

Autor: Jenny G., aktualisiert 03/2015.

 

Richard Montgomery
Stanley Burden nach dem Angriff